Kernsanierung im Altbau: Der ultimative Masterplan & Kosten-Guide (2026)

Kernsanierung Altbau Baustelle

Der Weg zum Traumhaus beginnt mit dem Staub der Vergangenheit: Eine Kernsanierung erfordert präzise Planung.

Der Traum vom "Altbau-Charme". Wer kennt ihn nicht? Hohe Decken mit Stuck, knarrende Dielenböden, große Flügeltüren und das Gefühl, in Mauern zu leben, die Geschichten aus 100 Jahren erzählen. In Deutschland sind Altbauten (besonders Baujahre vor 1950) heiß begehrt. Doch der Kaufvertrag ist oft erst der Anfang einer langen, teuren und nervenaufreibenden Reise.

Eine Kernsanierung (Sanierung bis auf den Kern) ist keine bloße Schönheitsreparatur. Es bedeutet: Alles raus. Putz ab, Rohre raus, Elektrik neu, oft sogar der Grundriss neu. Wer hier blauäugig ("Ich mach das bisschen Tapezieren am Wochenende") herangeht, landet schnell in der Kostenfalle. Besonders im Jahr 2026, wo das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und steigende Materialpreise die Spielregeln verändert haben, braucht es mehr als handwerkliches Geschick. Es braucht einen Masterplan.

Dieser Guide ist Ihr Fahrplan. Wir reden nicht über Deko-Kissen, sondern über Bausubstanz, Schadstoffe, U-Werte und Euro-Beträge. Wir begleiten Sie vom ersten Besichtigungstermin bis zur Schlüsselübergabe im fertig sanierten Traumhaus.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE (TEIL 1)
  • Definition: "Kernsanierung" bedeutet die Wiederherstellung des Rohbau-Zustands. Nur tragende Wände und Decken bleiben oft stehen.
  • Die Faustformel Kosten: Rechnen Sie für eine echte Kernsanierung in Deutschland aktuell mit 1.500 € bis 2.500 € pro m² Wohnfläche (zusätzlich zum Kaufpreis!).
  • Größte Risiken: Feuchtigkeit im Keller, Hausschwamm im Dachstuhl und Schadstoffe (Asbest/PAK) in Häusern der 60er-80er Jahre.
  • Reihenfolge: Erst Analyse, dann Planung, dann Abriss. Niemals wild drauflos hämmern!

1. Die Bestandsaufnahme: Die nackte Wahrheit (Vor dem Kauf)

Bevor Sie den Notarvertrag unterschreiben oder den ersten Hammer schwingen, müssen Sie wissen, was Sie kaufen. Ein Haus ist wie ein Gebrauchtwagen, nur dass Sie nicht einfach unter die Haube schauen können. Nehmen Sie zur zweiten Besichtigung unbedingt einen Bausachverständigen (Gutachter) mit. Die 500 € bis 1.000 € Honorar sind die beste Versicherung gegen den Ruin.

Der Feuchtigkeits-Check (Der Endgegner)

Wasser ist der größte Feind des Altbaus. Achten Sie auf:

  • Der Geruch: Riecht es im Keller muffig oder modrig? Das ist oft das erste Indiz.
  • Salzausblühungen: Weiße, kristalline Ränder an den Kellerwänden (Salpeter). Das bedeutet, dass Feuchtigkeit aus dem Erdreich aufsteigt.
  • Die Horizontalsperre: Häuser vor 1960 haben oft keine oder eine defekte Horizontalsperre (die Schicht, die verhindert, dass Wasser im Mauerwerk hochzieht). Eine nachträgliche Abdichtung (z.B. Injektionsverfahren oder Aufsägen) kostet schnell 200 € bis 400 € pro laufenden Meter Wand.

Dach und Dachstuhl

Gehen Sie ganz nach oben. Ist der Dachstuhl gerade? Oder hängt der First durch (ein "Sattelrücken")? Nehmen Sie einen Schraubendreher und stechen Sie (an unauffälliger Stelle) in die Holzbalken. Ist das Holz weich oder bröselig?
Warnung: Sehen Sie feinen Holzstaub am Boden oder Fruchtkörper von Pilzen? Der "Echte Hausschwamm" ist meldepflichtig und kann den Abriss bedeuten.

2. Schadstoffe: Die unsichtbare Gefahr der Nachkriegsbauten

Viele denken, Altbauten aus der Gründerzeit (um 1900) seien problematisch. Technisch gesehen sind Häuser aus den Jahren 1960 bis 1980 oft gefährlicher für die Gesundheit, da hier viel Chemie verbaut wurde.

Lebensgefahr Asbest: Bis 1993 wurde Asbest in Deutschland verbaut. Er versteckt sich oft dort, wo man ihn nicht vermutet:
  • In den schwarzen Klebern alter Vinyl- oder Parkettböden (Floor-Flex-Platten).
  • In Faserzementplatten an der Fassade oder auf dem Dach.
  • Sogar in alten Fliesenklebern und Putzen!
Die Regel: Vor dem Herausreißen alter Böden in Häusern dieser Baujahre: Materialprobe ins Labor schicken! Eine Asbestsanierung erfordert Spezialfirmen und Schutzkleidung. Wer das selbst macht, begeht eine Straftat und gefährdet seine Lunge massiv.

Weitere übliche Verdächtige

  • KMF (Künstliche Mineralfasern): Alte gelbe Glaswolle (Dämmung) vor 1996 gilt als krebserregend. Sie muss in speziellen Säcken luftdicht verpackt entsorgt werden.
  • PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe): Findet sich oft in teerhaltigen Klebstoffen unter altem Parkett (erkennbar an schwarzer Farbe und chemischem Geruch).
  • Bleirohre: In Häusern vor 1973 können noch Wasserleitungen aus Blei liegen. Ein Blick auf die Rohre im Keller genügt oft: Blei ist silbergrau und weich (mit dem Fingernagel ritzbar). Diese müssen zwingend raus!

3. Statik und Grundriss: Wände versetzen?

Der moderne Wohnstil verlangt nach offenen Räumen ("Open Concept"). Der Altbau bietet aber oft viele kleine Zimmer.
Bevor Sie den Vorschlaghammer ansetzen: Ist die Wand tragend?
In Altbauten mit Holzbalkendecken ist das für den Laien schwer zu erkennen. Oft tragen auch dünne Wände (11,5 cm) zur Aussteifung bei. Wenn Sie eine tragende Wand entfernen wollen, brauchen Sie:

  1. Einen Statiker (Tragwerksplaner), der den Stahlträger (Sturz) berechnet.
  2. Ein Bauunternehmen, das den Träger fachgerecht einbaut.

Kalkulieren Sie für einen Wanddurchbruch in einer tragenden Wand inklusive Träger und Statik ca. 2.000 € bis 4.000 € ein.

4. Bürokratie & Gesetze: Der unvermeidbare Papierkrieg

Bevor der erste Handwerker anrückt, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sein. In Deutschland darf man nicht einfach so loslegen, besonders wenn es um Energie und Fassaden geht.

Der Denkmalschutz: Fluch und Segen

Liegt Ihr Haus in einem Erhaltungssatzungsgebiet oder steht es sogar unter Denkmalschutz?
Das Problem: Sie dürfen das Erscheinungsbild nicht verändern. Kunststofffenster? Verboten. Außendämmung (WDVS)? Verboten. Solaranlagen auf der Straßenseite? Oft schwierig.
Der Vorteil: Die Denkmal-AfA (Absetzung für Abnutzung). Sie können Sanierungskosten steuerlich über 12 Jahre zu 100% abschreiben (bei Vermietung) oder zu 90% (bei Eigennutzung). Das kann Ihnen zehntausende Euro Steuererstattung bringen.
Tipp: Sprechen Sie zwingend VORHER mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Wer ohne Genehmigung baut, riskiert hohe Bußgelder und Rückbauverfügungen.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG 2026)

Das GEG (früher EnEV) ist die Bibel der energetischen Sanierung. Für Käufer von Altbauten gibt es oft eine Nachrüstpflicht innerhalb von 2 Jahren nach Eigentumsübergang:

  • Heizung: Alte Standardkessel (Öl/Gas), die älter als 30 Jahre sind, müssen oft raus. Neue Heizungen müssen zu 65% mit Erneuerbaren Energien betrieben werden (meist Wärmepumpe oder Hybrid).
  • Dämmung: Die oberste Geschossdecke (zum kalten Dachboden) muss gedämmt werden, wenn sie ungedämmt ist.
  • Rohre: Heizungsrohre in unbeheizten Räumen (Keller) müssen gedämmt werden.

Brauche ich eine Baugenehmigung?

Für reine Instandhaltungen (Streichen, neue Fenster in gleicher Größe, Bodenbeläge) meistens: Nein.
Sie brauchen aber fast immer einen Bauantrag (Bauantrag), wenn:

  • Sie die Statik ändern (Wanddurchbrüche).
  • Sie die Nutzung ändern (z.B. Scheune zu Wohnraum oder Dachboden ausbauen).
  • Sie das äußere Erscheinungsbild stark verändern (neue Fensterformate, Gauben).
  • Sie anbauen (Wintergarten, Erker).

5. Die Finanzierung & Budgetplanung: Was kostet es wirklich?

Kommen wir zum härtesten Teil: Der Wahrheit über die Kosten. Eine "Pinsel-Sanierung" kostet vielleicht 500 €/m². Eine Kernsanierung (Technik, Fenster, Dach, Dämmung neu) liegt in Deutschland im Jahr 2026 eher bei 1.800 € bis 2.500 € pro m².

Hier ist eine realistische Kostenschätzung für ein typisches Einfamilienhaus (140 m² Wohnfläche), das komplett entkernt und neu aufgebaut wird. Bitte beachten Sie: Dies sind Durchschnittswerte für Fachfirmen (ohne Eigenleistung).

Gewerke (Arbeitsbereich) Leistungsumfang Geschätzte Kosten
Abriss & Entsorgung Böden, Tapeten, Sanitär raus, Containerdienst. 10.000 € - 20.000 €
Dach Neudeckung inkl. Aufsparrendämmung (GEG-konform). 35.000 € - 60.000 €
Fenster & Haustür 3-fach Verglasung, RC2 Sicherheit, neue Haustür. 25.000 € - 40.000 €
Heizung & Sanitär Wärmepumpe, Fußbodenheizung (Fräsen/Neu), Wasserleitungen, 2 Bäder. 50.000 € - 80.000 €
Elektrik Komplett neu ab Hausanschluss, Zählerschrank, LAN, Smart Home Basis. 20.000 € - 30.000 €
Innenputz & Trockenbau Wände glätten (Q3), Decken abhängen. 20.000 € - 35.000 €
Böden & Türen Parkett/Vinyl, Fliesen, Innentüren inkl. Zargen. 20.000 € - 30.000 €
GESAMT (Grob) Puffer für Unvorhergesehenes (+20%) nicht vergessen! ca. 180.000 € - 300.000 €
Experten-Tipp: Planen Sie immer einen Puffer von 20-25% ein. Beim Öffnen von alten Wänden oder Böden findet man IMMER Dinge, die man nicht erwartet hat (morsche Balken, alte Leitungen an falschen Stellen, fehlende Statik). Ohne Puffer scheitern Sanierungen.

6. Fördermittel: Lassen Sie das Geld nicht liegen

Die gute Nachricht: Der deutsche Staat beteiligt sich an den Kosten, wenn Sie energetisch sanieren. Es gibt zwei Hauptwege, die Sie VOR Auftragsvergabe klären müssen:

BAFA (Zuschuss für Einzelmaßnahmen)

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gibt Ihnen Geld zurück, wenn Sie einzelne Teile verbessern (Sanierung der Gebäudehülle). Aktuell z.B. 15% Zuschuss (plus 5% Bonus bei iSFP) für:

  • Neue Fenster & Türen
  • Dämmung von Dach oder Fassade
  • Heizungsoptimierung
  • Heizungstausch (hier bis zu 70% möglich!)

KfW (Kredit für Komplettsanierung)

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW 261) bietet extrem zinsgünstige Kredite (oft unter 1-2%) und Tilgungszuschüsse, wenn Sie das Haus zum "Effizienzhaus" (z.B. EH 85, EH 55 oder EH 40) umbauen. Je besser der energetische Standard am Ende, desto weniger Kredit müssen Sie zurückzahlen (Tilgungszuschuss bis zu 45.000 €).

WICHTIG: Für fast alle Förderungen benötigen Sie zwingend einen zertifizierten Energieeffizienz-Experten (Energieberater). Binden Sie diesen ganz am Anfang ein. Er erstellt Ihnen einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der allein schon die Förderquote erhöht.

7. Phase 1: Der Rückbau & Abriss (Ordnung im Chaos)

Der Container steht vor der Tür, der Vorschlaghammer liegt bereit. Endlich geht es los! Doch Stopp: Wer einfach wild drauflos hämmert, zahlt am Ende drauf. In Deutschland ist die Mülltrennung auf Baustellen nicht nur eine Tugend, sondern bares Geld wert.

Mülltrennung spart Tausende Euro

Ein Container für "Baumischabfall" (alles rein) ist extrem teuer (oft 80-120 € pro Tonne oder Kubikmeter). Sortieren Sie daher penibel direkt auf der Baustelle:

  • Bauschutt (rein): Ziegel, Beton, Fliesen, Keramik. (Günstig)
  • Altholz: Unterscheiden Sie A1-A3 (unbelastet/lackiert) von A4 (imprägniert, z.B. Dachbalken, Jägerzaun). A4 ist Sondermüll!
  • Gipsabfälle: Rigipsplatten gehören oft nicht in den Bauschutt (Sulfatbelastung), sondern müssen separat entsorgt werden.
  • Metall/Schrott: Alte Rohre und Kabel bringen beim Schrotthändler sogar Geld, statt welches zu kosten.

Entkernung bis auf den Rohbau

Bei einer echten Kernsanierung bleibt oft nur das Mauerwerk und die Holzbalkendecke stehen.
Tipp: Nutzen Sie diese Gelegenheit, um den Bodenaufbau zu prüfen. In Altbauten findet man oft "Schüttung" (Sand, Schlacke) zwischen den Balken. Lassen Sie diese drin (Schallschutz!), es sei denn, sie ist feucht oder riecht. Für den Trittschallschutz sind moderne Systeme (Trockenestrich mit Entkopplung) jedoch unschlagbar.

8. Die Hülle: Dach & Dämmung (GEG-Konformität)

Bevor wir uns um das Innere kümmern, muss das Haus "dicht" und warm werden. Ein ungedämmtes Dach ist der größte Energiefresser.

Zwischensparren- vs. Aufsparrendämmung

Wenn das Dach ohnehin neu gedeckt werden muss (weil die Ziegel 50+ Jahre alt sind), ist die Aufsparrendämmung der Königsweg.
Hierbei wird eine durchgehende Dämmplatte (z.B. PU-Schaum oder Holzfaser) auf die Balken gelegt.
Vorteil: Keine Wärmebrücken durch die Holzbalken, der Innenraum bleibt erhalten (Sichtbalken möglich).
Nachteil: Teurer und das Dach wird höher (Anschluss an Nachbarhaus prüfen!).

Müssen die Ziegel nicht runter, reicht oft eine Zwischensparrendämmung (von innen). Hierbei ist die Dampfbremsfolie das wichtigste Bauteil. Sie muss zu 100% luftdicht verklebt werden. Ein kleines Loch reicht, und die warme Innenluft kondensiert in der Dämmung -> Schimmel und verfaulte Balken sind die Folge.

Zukunftssicherheit Solar: Auch wenn Sie sich jetzt noch keine Photovoltaik-Anlage (PV) leisten können oder wollen: Lassen Sie beim Dachdecken Leerrohre und Dachhaken montieren! Das kostet jetzt wenige hundert Euro. Ein nachträgliches Gerüst und Öffnen des Daches kostet Tausende.

9. Die Fenster: Der kritische Tausch

Neue Fenster sind toll. Sie halten Lärm draußen und Wärme drinnen. Aber im Altbau bergen sie ein Risiko, das viele unterschätzen: Den Schimmel-Paradoxon.

Das physikalische Problem (Taupunkt-Verschiebung)

In einem alten Haus waren die Fenster immer die kälteste Stelle (U-Wert ca. 2,5 - 3,0). Feuchtigkeit kondensierte am Glas ("die Scheiben schwitzen").
Bauen Sie nun moderne 3-fach verglaste Super-Fenster (U-Wert 0,8) in eine ungedämmte Altbauwand (U-Wert 1,4) ein, passiert Folgendes:
Das Fenster ist nun wärmer als die Wand. Die Feuchtigkeit kondensiert nicht mehr am Glas, sondern an der kältesten Stelle der Wand (meist die Laibung oder Raumecken). Schimmel blüht auf der Tapete.

Die Goldene Regel: Der U-Wert der Außenwand sollte immer besser (niedriger) sein als der des Fensters. Wenn Sie die Fassade nicht dämmen wollen/können, bauen Sie eventuell nur 2-fach verglaste Fenster ein (Rücksprache mit Energieberater!) oder planen Sie ein Lüftungskonzept (z.B. Fensterfalzlüfter) zwingend mit ein.

RAL-Montage ist Pflicht

Achten Sie im Angebot des Fensterbauers auf den Satz "Montage nach RAL". Das bedeutet:

  • Innen: Dampfdicht (keine feuchte Raumluft in die Fuge).
  • Mitte: Wärmedämmung (Schaum).
  • Außen: Schlagregendicht aber dampfdiffusionsoffen.

"Nur Schaum" reicht heute nicht mehr aus und führt langfristig zu Bauschäden.

10. Die Fassadendämmung (WDVS): Sinnvoll oder Risiko?

Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) hat in Deutschland einen schlechten Ruf ("Plastiktüten-Effekt", "Algenbildung"). Doch bei Altbauten ist es oft der einzige Weg, Heizkosten massiv zu senken.

Styropor (EPS) vs. Mineralwolle

  • EPS (Styropor): Günstig, leicht zu verarbeiten. Kritikpunkt: Brandschutz und Entsorgung.
  • Mineralwolle (Steinwolle): Teurer, aber nicht brennbar (A1) und diffusionsoffener (die Wand kann besser "atmen").
  • Holzfaser: Die ökologische Alternative. Teurer, aber exzellenter Hitzeschutz im Sommer und gutes Wohnklima.

Mein Experten-Rat: Wenn Sie das Budget haben, greifen Sie zu Mineralwolle oder Holzfaser. Das Wohnklima ist spürbar besser, und Sie minimieren das Risiko von Algenbildung an der Fassade, da diese Materialien Wärme besser speichern als dünnes Styropor.

11. Phase 2: Das technische Herz (Heizung & Sanitär)

Das Haus ist dicht. Jetzt bringen wir es zum Leben. Die Installationen (Rohre und Kabel) sind die "Adern und Nerven" des Hauses. Hier gilt der Grundsatz: Keine Kompromisse. Ein Rohr, das in 5 Jahren unter den neuen Fliesen platzt, ist der Albtraum jedes Hausbesitzers.

Die Heizungswende: Wärmepumpe im Altbau?

Seit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist die Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser) das Standard-Heizsystem. Doch funktioniert sie im Altbau?

Der Mythos: "Wärmepumpen gehen nur in gedämmten Neubauten."
Die Realität: Wärmepumpen funktionieren auch im Altbau, WENN die Vorlauftemperatur (die Temperatur des Wassers in den Heizkörpern) gesenkt werden kann (ideal unter 55°C). Dafür brauchen Sie:

  1. Große Heizflächen: Alte "Rippenheizkörper" sind oft zu klein. Tauschen Sie diese gegen großflächige "Niedertemperatur-Heizkörper" (Typ 33) aus.
  2. Fußbodenheizung (Der Gamechanger): Nichts ist effizienter. Im Altbau müssen Sie dafür nicht zwingend den ganzen Estrich rausreißen.
Sanierungs-Tipp: Fußbodenheizung fräsen
Wenn der alte Estrich noch fest und trocken ist, können Sie Kanäle für die Heizungsrohre direkt in den bestehenden Estrich fräsen lassen.
Vorteile: Kein Abrisslärm, keine Trocknungszeit (4-6 Wochen gespart!), keine neue Aufbauhöhe (Türen passen noch).
Kosten: Ca. 40 € - 60 € pro m² (inkl. Rohrverlegung).

Sanitär-Installation: Alles neu!

Lassen Sie keine alten Wasserleitungen im Haus. Verzinkte Stahlrohre rosten von innen zu ("Inkrustation"), Bleirohre sind giftig.
Setzen Sie auf Mehrschichtverbundrohre (Kunststoff mit Alukern) oder Edelstahl.
Wichtig: Planen Sie eine Ringleitung oder Zirkulationsleitung, damit warmes Wasser sofort am Hahn ankommt und sich keine Legionellen (Bakterien) im stehenden Wasser bilden.

Zusatz-Tipp für Deutschland: Prüfen Sie die Wasserhärte an Ihrem Wohnort. Ab 14° dH (Deutsche Härte) lohnt sich der Einbau einer Enthärtungsanlage (auf Salzbasis) direkt am Hausanschluss. Das schützt Ihre neue Regendusche und die Kaffeemaschine vor Kalk.

12. Elektrik & Smart Home: Mehr als nur Steckdosen

Die Elektroinstallation eines Hauses von 1970 ist für den heutigen Bedarf (Induktionskochfeld, E-Auto, Home Office) völlig unterdimensioniert. Zudem sind alte Isolierungen oft brüchig (Brandgefahr).

Der Standard nach DIN 18015

Eine moderne Elektrosanierung umfasst:

  • FI-Schutzschalter (RCD): Heute Pflicht für alle Stromkreise, nicht nur fürs Bad.
  • Anzahl der Steckdosen: Planen Sie großzügig. In der Küche mind. 8-10 Arbeitssteckdosen, im Wohnzimmer in jeder Ecke 3-fach Rahmen.
  • Starkstrom (Drehstrom): Zwingend nötig für den Herd, die Wallbox (E-Auto Ladestation) und die Wärmepumpe.

Netzwerk statt WLAN-Repeater

Verlassen Sie sich nicht auf WLAN. Ein Stahlbetonboden im Altbau blockiert Signale massiv.
Die Pflicht: Verlegen Sie in JEDEN Wohnraum (auch Kinderzimmer) mindestens ein Duplex-CAT7-Kabel (Netzwerkkabel). Führen Sie alle Kabel an einem zentralen Punkt (Patchpanel) im Keller oder HWR zusammen. Das garantiert stabiles Internet für Home Office und 4K-Streaming.

Smart Home Vorbereitung

Sie müssen nicht sofort ein 20.000 € KNX-System installieren. Aber Sie sollten es vorbereiten ("Bus-Leitung legen").
Legen Sie zu den Lichtschaltern neben dem normalen Stromkabel (3- oder 5-adrig) ein grünes KNX-Kabel (Bus-Kabel). Das kostet fast nichts. Wenn Sie später das Haus smart machen wollen (Lichtszenen, Rollladensteuerung per Handy), haben Sie die Infrastruktur schon in der Wand.

Achtung bei alten "Stegleitungen": Finden Sie flache Kabel, die direkt im Putz liegen (ohne Rohr)? Diese "Stegleitungen" sind heute im Neubau zwar theoretisch noch erlaubt, im Altbau aber oft porös. Bei einer Kernsanierung sollten diese IMMER entfernt werden. Fräsen Sie neue Schlitze und verlegen Sie Kabel wenn möglich in Leerrohren. So können Sie in 20 Jahren ein defektes Kabel einfach austauschen, ohne die Wand aufzureißen.

13. Estrich & Innenputz: Die Basis für das Finish

Nachdem alle Rohre und Kabel verlegt sind ("Rohinstallation"), müssen die Wände wieder geschlossen werden. Hier entscheidet sich die Qualität der Oberfläche.

Putzqualität Q1 bis Q4

Sprechen Sie mit Ihrem Verputzer über die Qualitätsstufen:

  • Q2 (Standard): Geeignet für Raufasertapete. Man sieht leichte Unebenheiten im Streiflicht.
  • Q3 (Gehoben): Geeignet für feine Tapeten oder matte Anstriche.
  • Q4 (Premium): Vollflächige Spachtelung. Nötig für glänzende Anstriche oder hochwertigste Vliestapeten ("Malervlies"). Kostet deutlich mehr!

Trocknung (Bautrockner)

Wenn neuer Estrich und Putz eingebracht wurden, bringen Sie Tonnen von Wasser ins Haus.
Fehler Nr. 1: Zu früh weitermachen.
Stellen Sie Bautrockner auf! Ein Zementestrich braucht in der Regel 21-28 Tage, bis er "belegreif" ist (Restfeuchte < 2,0% CM). Wer zu früh Parkett auf feuchten Estrich legt, wird erleben, wie sich das teure Eichenholz nach 2 Wochen wölbt.

14. Phase 3: Der Innenausbau (Endlich wird es schön)

Der Staub ist weg, die Wände sind glatt. Jetzt bekommt das Haus seinen Charakter. Beim Bodenbelag und der Wandgestaltung entscheidet sich die Wohnatmosphäre.

Bodenbeläge: Parkett, Vinyl oder Fliesen?

Im Jahr 2026 gibt es klare Trends, aber auch technische Notwendigkeiten (besonders bei Fußbodenheizung).

  • Parkett (Eiche Landhausdiele): Der Klassiker.
    Vorteil: Zeitlos, warm, wertsteigernd.
    Nachteil: Teuer und empfindlich. Achten Sie bei Fußbodenheizung auf "vollflächige Verklebung" (besserer Wärmedurchgang als schwimmend verlegt).
  • Designboden (Vinyl/PVC): Der moderne Alleskönner.
    Wichtig: Achten Sie auf die Nutzungsklasse (NK 23 für Wohnen, NK 32 für Gewerbe/intensiv). Kaufen Sie "Rigid Vinyl" (mit festem Träger), das dehnt sich bei Sonne weniger aus.
    Bio-Tipp: Wer kein Plastik will, greift zu modernen Designböden ohne PVC (z.B. auf Basis von Rapsöl oder Holzmehl, wie Wineo Purline).
  • Fliesen: Nur noch in Bädern, HWR und im Flur. Im Wohnbereich sind Fliesen in Deutschland "out", da sie akustisch hart und ungemütlich wirken. Trend: Großformate (60x60cm oder 60x120cm) mit minimalen Fugen (kalibriert).

Die Küche: Planen Sie sie ZUERST!

Ein fataler Fehler: Die Küche erst zu planen, wenn der Installateur schon weg ist.
Warum? Der Küchenplan bestimmt exakt, wo Wasseranschlüsse und Steckdosen sitzen müssen. Wenn der Strom für den Geschirrspüler 20 cm zu weit links sitzt, passt der Schrank nicht mehr.
Bestellen Sie die Küche 3-4 Monate vor Einzug. Lieferzeiten von 12 Wochen sind keine Seltenheit.

15. Die Bauabnahme: Der wichtigste rechtliche Moment

Der Handwerker sagt "Fertig!" und will sein Geld. Überweisen Sie noch nicht alles!
Die Abnahme ist juristisch der kritische Wendepunkt (nach VOB/B oder BGB).

  • Beweislastumkehr: VOR der Abnahme muss der Handwerker beweisen, dass er fehlerfrei gearbeitet hat. NACH der Abnahme müssen SIE beweisen, dass er einen Fehler gemacht hat.
  • Gefahrenübergang: Ab jetzt tragen Sie das Risiko für zufällige Schäden.
  • Verjährung: Die Gewährleistungsfrist (meist 5 Jahre nach BGB) beginnt zu laufen.
Tipp: Förmliche Abnahme
Machen Sie immer eine förmliche Abnahme mit Protokoll. Schreiben Sie JEDEN Kratzer, jede fehlende Leiste und jeden Mangel in das Protokoll. Behalten Sie bei Mängeln einen Teil der Rechnungssumme ein (Druckzuschlag: Das Doppelte der voraussichtlichen Mängelbeseitigungskosten). Unterschreiben Sie nie "mängelfrei", wenn Sie nicht sicher sind.

16. Der Zeitplan: Wie lange dauert es wirklich?

Fernsehen suggeriert, man könne ein Haus in 6 Wochen sanieren. Vergessen Sie das. Eine Kernsanierung ist ein Marathon. Hier ein realistischer Zeitplan für ein 140 m² Haus:

Phase Tätigkeit Dauer (Wochen)
Planung Energieberater, Architekt, Finanzierung, Bauantrag 8 - 12 Wochen
Abriss Entkernung, Entsorgung 2 - 4 Wochen
Rohbau / Dach Maurer, Dachdecker, Fensterbauer 4 - 8 Wochen
Installation Elektro, Sanitär, Heizung (Rohinstallation) 3 - 5 Wochen
Putz & Estrich Verputzen und Estrich legen 2 Wochen
Trocknung Stillstand! (Warten bis Estrich trocken) 4 - 6 Wochen
Finishing Maler, Bodenleger, Türen, Feininstallation 4 - 6 Wochen
GESAMT Vom ersten Hammer bis zum Einzug ca. 6 - 9 Monate

17. Fazit: Lohnt sich der Wahnsinn?

Eine Kernsanierung ist ein Abenteuer. Sie wird teurer als geplant, sie dauert länger als gedacht, und sie wird Sie Nerven kosten. Es gibt Momente, in denen Sie im Baudreck stehen und alles bereuen werden.

Aber: Am Ende besitzen Sie ein Unikat. Ein Haus mit dem Charme der Vergangenheit und dem Komfort der Zukunft (Smart Home, Fußbodenheizung, niedrige Energiekosten). Sie kennen jeden Ziegel, jedes Kabel und jedes Rohr. Dieses Gefühl der Verbundenheit kann Ihnen kein steriler Neubau geben.

Planen Sie gründlich, kalkulieren Sie konservativ und holen Sie sich Profis an die Seite. Viel Erfolg bei Ihrem Projekt!

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Kernsanierung

Kann ich während der Kernsanierung im Haus wohnen?

Nein, das ist dringend abzuraten. Bei einer echten Kernsanierung ist das Haus zeitweise unbewohnbar (kein Strom, kein Wasser, keine Heizung). Zudem entsteht gesundheitsschädlicher Feinstaub. Ein Bewohnen verzögert die Bauarbeiten massiv und erhöht die Kosten. Planen Sie ein Budget für eine Mietwohnung ein.

Was ist der teuerste Fehler bei der Sanierung?

Der größte Fehler ist, an der Gebäudehülle (Dach, Dämmung, Fenster) zu sparen, um Budget für sichtbaren Luxus (teure Küche, Designermöbel) zu haben. Die Substanz muss zuerst stehen! Eine schlechte Dämmung führt zu Schimmel und hohen Energiekosten, die sich später nur sehr teuer korrigieren lassen.

Brauche ich zwingend einen Architekten?

Nicht zwingend für alle Arbeiten, aber sehr empfehlenswert bei Eingriffen in die Statik oder den Grundriss. Zwingend notwendig ist in Deutschland jedoch oft ein zertifizierter Energieberater (Energieeffizienz-Experte), um staatliche Fördergelder (BAFA/KfW) beantragen zu können.

Wie viel Puffer sollte ich für die Kosten einplanen?

Experten empfehlen bei Altbauten einen Sicherheitspuffer von mindestens 20% bis 25% der kalkulierten Gesamtkosten. Beim Öffnen von alten Wänden und Böden treten fast immer unvorhergesehene Mängel auf (z.B. morsche Balken oder alte Leitungen).

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